Betrug und Daten

Drei Sekunden Tonmaterial genügen für eine überzeugende Stimmkopie, und Betrugsnachrichten sind heute fehlerfrei formuliert. Betroffen sind oft weniger die Kinder als die Erwachsenen um sie herum.

Schockanrufe mit geklonter Stimme

In Tests der Firma McAfee (IT-Sicherheitsfirma) genügten drei Sekunden Audio für eine Stimmkopie mit 85 % Übereinstimmung, mit etwas mehr Material rund 95 %; die Werte beruhen auf McAfees eigener Bewertung. Das BSI beschreibt dieselbe Entwicklung. Das Material stammt aus öffentlichen Videos, Sprachnachrichten oder Mailbox-Ansagen. Neben dem klassischen Schockanruf („Ich brauche sofort Geld“) kursieren gefälschte Sprachnachrichten in Klassenchats, die gezielt Stimmung gegen ein Kind machen.

Der Schutz ist einfach: ein Familien-Codewort, das nirgends notiert ist und nichts mit der Familie zu tun hat. Wer am Telefon Geld oder Hilfe braucht, muss es nennen. Zusätzlich gilt: bei Druck auflegen und unter der bekannten Nummer zurückrufen. Das ist etwas für die ganze Familie: Besprechen Sie das Codewort ausdrücklich auch mit den Großeltern, sie sind die häufigsten Ziele; bei Jugendlichen ist das Thema ein gutes Argument für ein privates Konto. Codewort-Karte zum Ausdrucken

„Ihre Stimme kann gestohlen werden, Ihr Wissen nicht.“
Mark T. Hofmann, Kriminalanalyst

Quellen: McAfee „The Artificial Imposter“ (2023, 7.054 Befragte in 7 Ländern), Trend Micro 2026, BSI, BKA PKS 2024, Verbraucherzentrale Brandenburg

Phishing ohne Rechtschreibfehler

Das BSI hält im Lagebericht 2025 fest, dass „Phishing-Mails ohne Grammatikfehler, automatisch generierte Köder in fehlerfreiem Deutsch und maßgeschneiderte Social-Engineering-Texte“ heute in Sekunden entstehen; täglich kamen rund 280.000 neue Schadprogramm-Varianten hinzu, etwa 3,2 pro Sekunde.

So funktioniert die Übung

Unten stehen zwei nachgebaute Betrugsnachrichten: eine SMS und eine E-Mail. Der Trick ist nicht neu, es gibt ihn seit Jahren, nur sind die Texte heute fehlerfrei. In beiden zusammen stecken zehn Merkmale, an denen man die Fälschung erkennt. Tippen Sie auf alles, was Ihnen merkwürdig vorkommt: auf Absender, Beträge, Links, Fristen, Knöpfe. Jeder Fund wird erklärt.

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Zwei Regeln decken fast alles ab: nie über den Link in der Nachricht, und Zeitdruck ist das Erkennungszeichen. Kinder erhalten dieselben Nachrichten, zusätzlich in Spielen und als vermeintliche Gewinne von Spielwährung. Der wirksamere Satz lautet daher nicht „Klick nicht darauf“, sondern: „Zeig mir so etwas, wenn du unsicher bist.“

Quelle: BSI, Lagebericht zur IT-Sicherheit 2025

Was mit Gesprächsdaten geschieht

Kinder erzählen Chatbots (KI-Programme zum Chatten) mitunter mehr als ihren Eltern: Namen, Schule, Konflikte, gesundheitliche Probleme, dazu Fotos und Sprachaufnahmen. Diese Daten können zum Training der Modelle genutzt (oft voreingestellt), zu Profilen verknüpft, für Werbung ausgewertet oder an Partner weitergegeben werden. Die Initiative klicksafe rät, mit dem Kind zu vereinbaren, dass es Bescheid sagt, bevor es persönliche Angaben im Netz macht. Dazu: Training in den Einstellungen abschalten, Verläufe gemeinsam löschen, Standortfreigaben deaktivieren.

Eltern haben durchsetzbare Rechte auf Auskunft, Löschung und Widerspruch (Art. 15, 17, 21 DSGVO); unter 16 Jahren ist die Zustimmung der Sorgeberechtigten nötig (Art. 8). Ansprüche durchsetzen

Quellen: DSGVO, klicksafe 2025, Verbraucherzentrale, BfDI