Teilhabe und Inklusion

Für manche Kinder sind digitale Werkzeuge mehr als Komfort. Sie öffnen Zugänge zu Texten, Sprache und Kontakten, die ohne sie verschlossen blieben.

Individuelle Unterstützung

Der Weltbildungsbericht der UNESCO von 2023 sieht in digitalen Werkzeugen die Chance auf personalisierte Unterstützung, insbesondere für Lernende mit Behinderungen und in abgelegenen Regionen. Er warnt zugleich vor einer digitalen Spaltung und vor Lücken beim Datenschutz. Im Weltbank-Pilot in Nigeria schlossen Mädchen, die zu Beginn zurücklagen, mit Hilfe eines KI-Tutors weitgehend zu den Jungen auf.

Quellen: UNESCO, Global Education Monitoring Report 2023 und Leitfaden zu generativer KI 2023, Weltbank 2025

Was im Alltag konkret hilft

  • Vorlesen und Diktieren: Vorlesefunktionen und Spracheingabe, auf jedem Smartphone integriert, erleichtern Kindern mit Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten den Zugang zu Texten und das Formulieren eigener Gedanken.
  • Texte vereinfachen: KI-Assistenten können schwierige Texte in einfachere Sprache übertragen oder Begriffe erklären. Das ersetzt keine Förderung, senkt aber die Schwelle, sich überhaupt an einen Text zu wagen.
  • Sprachen überbrücken: Übersetzungsfunktionen helfen Familien mit anderer Familiensprache, Elternbriefe und Schulinformationen zu verstehen und mit der Schule zu kommunizieren.
  • Kontakt halten: Für schüchterne, chronisch kranke oder körperlich eingeschränkte Kinder ist Kontakt über Text oft leichter als im selben Raum. Umgezogene Freunde und Verwandte bleiben erreichbar.
  • Gleichgesinnte finden: Kinder mit seltenen Interessen oder besonderen Lebenslagen finden online oft erstmals andere, die ihre Erfahrungen teilen.

Apps, die Menschen verbinden: Be My Eyes

  • 10 Mio.Freiwillige weltweit helfen über die App Be My Eyes blinden und sehbehinderten Menschen, rund 1 Million Menschen nutzen sie (Stand März 2026).

Das Prinzip ist einfach: Wer blind ist oder schlecht sieht, tippt auf einen Knopf und wird per Videoanruf mit einer sehenden freiwilligen Person verbunden, die dieselbe Sprache spricht. Sie liest das Haltbarkeitsdatum vor, sagt, welche Farbe ein Pullover hat, oder hilft, den richtigen Knopf am Automaten zu finden. Die App ist für Hilfesuchende kostenlos; zum Helfen braucht es keine Vorkenntnisse.

Solche Angebote zeigen eine Seite des Smartphones, die in der Debatte oft untergeht: Es verbindet Menschen, die sich sonst nie begegnet wären, und macht Hilfe im Alltag möglich. Für Jugendliche kann das ein guter Gesprächsanlass sein, was Technik alles leisten kann.

Quelle: Be My Eyes, Mitteilung vom 12. März 2026 und Angaben auf bemyeyes.com

Ein Hilfsmittel ist kein Ersatz für Förderung.

Bei Verdacht auf eine Lese-Rechtschreib- oder Rechenschwäche beraten in Krefeld der Psychologische Dienst mit seiner Lernwerkstatt und die Schulsozialarbeit. Beratung zum Thema Schule

Worauf Eltern achten sollten

Sensible Angaben zu Diagnosen oder Förderbedarf gehören nicht in einen Chatbot (KI-Programm zum Chatten). Die UNESCO empfiehlt, KI-Werkzeuge im Unterricht erst ab 13 Jahren einzusetzen, und verlangt Datenschutzregeln sowie Fortbildung der Lehrkräfte. Für jüngere Kinder sind die eingebauten Bedienungshilfen von Smartphone und Tablet (Vorlesen, Diktat, Vergrößerung) die datensparsamere Wahl.

Quelle: UNESCO, Guidance for generative AI in education and research (2023)